Auf meinen Reisen habe ich immer Yoga gemacht. Teilweise an den unmöglichsten Orten. Auf der Autobahnraststätte, im engen Hotelzimmer, einmal auch zusammen mit anderen Yogalehrern am Gate, weil wir ewig auf das verspätete Flugzeug warten mussten. Immer wieder aber habe ich auch wunderschöne Orte zum praktizieren gefunden; in Wäldern, am Strand, auf Bergwiesen – und auch am See. Die Qualität des Praktizierens ist je nach Umgebung eine ganz eine andere. Oftmals kann man körperlich nicht ganz so genau arbeiten. Auf sandigem Untergrund beispielsweise hat man wenig Halt, man versinkt mehr und mehr und hat deshalb Mühe, einen Hund zu machen. Manchmal windet es auch sehr stark und die Balance-Asanas werden zur noch grösseren Herausforderung. An gewissen Orten, kann man auch aus Platzgründen gewisse Asanas, wie beispielsweise einen Grätschsitz, gar nicht machen. So muss man sein Yoga den Umständen anpassen. Aber eigentlich ist ‘muss’ da das falsche Wort. Denn genau in diesem Anpassen liegt der Reiz. Genau dieses Anpassen macht das Yoga zum Erlebnis, bei dem man die Asanas und sich selbst neu entdecken kann.

 

Macht man Yoga ausserhalb des Studios, ausserhalb des geschützten Raumes, verbindet man sich automatisch mehr mit der Umgebung, mit der Natur. Das ist ja eigentlich auch das Ziel vom Yoga, heisst ‘Yoga’ doch eigentlich ‘Vereinigung’ – von Körper, Seele und Geist, aber auch von uns mit dem, was um uns ist, mit dem Universum. Das gelingt allerdings erst wirklich, wenn man nicht gegen die Elemente des ‘Drumherums’ kämpft, sondern sie miteinbezieht, sich gar von ihnen inspirieren lässt. Die Ur-Yogis haben Yoga nicht nur in der freien Natur gemacht, sondern sie wurden auch von der Natur inspiriert. Sie versuchten mit ihrem Körper, einen Baum, einen Hund, eine Katze, eine Kobra, eine Heuschrecke, die ganze Vogelwelt darzustellen. Auch einen weiteren Kern des Yogas erlebt man draussen ganz anders: Den Atem. Da der Atem so zentral ist im Yoga, ist es nur logisch, dass die Qualität der Luft nicht ganz unwesentlich ist. Und die ist in der Natur definitiv besser als im Studio in der Stadtmitte. Unter freien Himmel ist jeder Atemzug ein Erlebnis für die Sinne. Für mich ist es, als atme ich den Duft der Freiheit ein.
Dieses ‘andere Erfahren’ des Yogas wollte ich weitergeben, deshalb initiierte ich ein Yoga am Pfäffiker-See. Am See -ganz pragmatisch – weil wir hier einerseits einen See haben, andererseits aber auch, weil ich Yoga am See besonders schön finde. Das Wasser hat per se eine beruhigende, fast schon meditative Wirkung. Die Weite, die mit einem See einhergeht, verschafft uns zudem das Gefühl von Raum. So dass man einfach mal wieder durchatmen kann, sich ‘Luft’ schaffen kann – womit wir wieder beim Duft der Freiheit wären. Perfekt also für Yoga. Und wenn dann noch dazukommt, dass das Seeufer an eine Rasenfläche grenzt, dann muss man nicht mehr lange überlegen. Rasen ist nicht nur Roger Federers Lieblingsbelag. Ich finde Yoga auf Rasen in mehreren Hinsichten genial. Er ist schön weich, so dass uns weder abgelegte Knie im tiefen Lunge, noch die Hüftknochen im Bogen, oder der Kopf im Kopfstand weh tun. Er ist aber gleichzeitig auch hart genug, um uns Halt zu geben, so dass die Krieger kraftvoll und die Hunde energetisch sein können. Man hat dennoch die leichten Unebenheiten, die es spannend machen, läuft aber kaum Gefahr, sich irgendwo an einer Spitze oder ähnlichem zu verletzen. Und man wird weder staubig, noch sandig, noch sonst allzu dreckig.

 

Offensichtlich hat der Rasen auch den Yogis zugesagt, die sich auf mein Experiment einliessen. Sie waren begeistert bei der Sache und ich merkte, wie sie – im Schutz der Masse – bald ausblenden konnten, dass andere Leute um uns herum PingPong spielten, Musik hörten, redeten, lachten. Die Präsenz der Leute war einmalig. So sehr im Hier und Jetzt habe ich meine Klassen selten erlebt. Die Verbindung zur Natur hat auch die Verbindung zu sich selbst gestärkt (das Wurzelchakra lässt grüssen). In einem langen Savasana kam das so richtig zum tragen. Der Rasen, die Erde wiegte die See-Yogis in ruhige Glückseligkeit.

Ein Beitrag von:

Iris Stadelmann

Iris Stadelmann

Gründerin Yogart, Teacher, Bloggerin

Mein Weg zum Yoga hat schon in der Schulzeit begonnen. Doch bis ich regelmässig Yoga übte, dauerte es noch etwas. Via Asanas (körperlichen Übungen) fand ich dann mit der Zeit auch den Zugang zu den anderen Aspekten des Yogas, wie Atemtechniken, Meditation, Mantras. Vor ein paar Jahren habe ich dann meine erste Yogalehrerausbildung gemacht. Diese brachte einen regelrechten Stein ins Rollen.

Während mehreren Jahren habe ich verschiedenste Ausbildungen bei diversen internationalen Lehrern und Lehrerinnen absolviert, wie z.B. Baron Baptist (Power Vinyasa), Chris Chavez (Anusara), Julie Rose Smerdon (Anusara), John Oglivie (Purna Yoga & Yoga Therapeutics), Ana Davis (Pre- and Postnatal), Sean Corn (Vinyasa Flow), Maya Fiennes (Kundalini), Brie Mc Alpine (Kundalini), Duncan Peak (Power Vinyasa) und Susan Tomasko (Power Yoga). Zudem habe ich zahlreiche Workshops im In- und Ausland besucht, zum Beispiel bei Lucia Nirmala Schmidt (Faszien), Benita Wolfe Galvan (Anusara), Satyaa (Kundalini), Ross Rayburn (Anusara), Katchie Ananda (Anusara/Dharma), Richard Freeman (Ashtanga) oder Julie Martin (Vinyasa Flow). Ich bin auch Pilatesinstruktorin und Rücken- und Beckenbodentrainerin. Stetige Weiterbildung ist für mich essentiell.

Am Yoga fasziniert mich die Vielfältigkeit. Ich unterrichte ein Yoga, das auf die Körperausrichtung fokussiert, ohne dass es an Dynamik mangelt. Meine ruhige Art zu unterrichten steht dabei nicht im Wege, im Gegenteil.

Ich habe einen Master of Art in Kunstgeschichte und Anglistik sowie das höhere Lehramt für Mittelschulen abgeschlossen und bin Mutter von Joel und Maurice. Für einige Zeit habe ich in den USA und in Australien gewohnt.

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