Geschichten fürs Gemüt

Meine Jungs lieben ihre Gutenacht-Geschichte. Wenn sie müde sind vom Tag werden ihre Gemüter von Geschichten besänftigt. Fasziniert und gebannt hören sie zu.
Schon immer haben die Menschen sich gerne Geschichten erzählt. Geschichten erlauben uns, eine Pause vom Alltag zu machen. Und Geschichten wurden auch seit jeher als Träger von Lebensweisheiten gebraucht. So war auch Jesus ein hervorragender Geschichtenerzähler. Buddha stand ihm in Nichts nach. Auch in der Sufi-Tradition gibt es viele schöne Geschichten. Eine habe ich letzthin gelesen – und sie hat mich sehr berührt. Ich möchte sie Euch hier erzählen.

 

Der Mann, der Tiger und der Fuchs

Ein Mann ging eines Tages spazieren. Er durchquerte Felder und Weiden und irgendwann kam er in einen Wald. Da sah er plötzlich einen Fuchs. Der Fuchs hatte keine Beine mehr und der Mann wunderte sich, wie der arme Fuchs wohl so überleben konnte. Wie kann sich der Fuchs ohne Beine sein Essen herbeischaffen? Doch dann kam ein Tiger. Im Mund hatte er seine Jagdbeute. Er ass genüsslich und als er satt war, überliess er den Rest dem Fuchs. Der Mann war fasziniert. ‘Toll’, dachte er. ‘Gott schaut für alle.’ Aber irgendwie war er doch nicht so sicher, ob man der Natur, ob man Gott vertrauen konnte. Deshalb ging er am nächsten Tag wieder in den Wald, suchte den Fuchs und wartete, was passierte. Tatsächlich kam der Tiger wieder. Auch dieses Mal hatte er ein Beutetier in seinem Mund. Wieder ass er genüsslich und wieder überliess er dem Fuchs den Rest.
‘Das ist ja wunderbar’, dachte der Mann. ‘Gott schaut für alle.’ Und so beschloss der Mann, dass auch er sich an ein ruhiges Plätzchen zurückziehen wollte, um dort auf Gott zu vertrauen. ‘Er wird mir alles geben, was sich brauche. Ich vertraue ihm’, dachte der Mann. Und so blieb er an seinem schönen, ruhigen Örtchen und wartete. Und wartete, Und wartete. Als er schon völlig entkräftet war, dem Hungertod nah, hörte er plötzlich eine Stimme:’ Oh Du Irrender. Mach Deine Augen auf! Erkenne die Wahrheit. Du bist nicht der behinderte Fuchs. Du bist der Tiger. Folge seinem Beispiel.’

 

 

Der Mann und das Mädchen

Als er wieder bei Kräften war ging der Mann in die Stadt. Unterwegs sah er ein kleines Mädchen, das vor lauter Kälte am am ganzen Körper zitterte. Es hatte keine Schuhe und sein Kleidchen war nur dünn. Offensichtlich hatte das Mädchen auch schon lange nichts mehr gegessen. Der Anblick war so herzerweichend, dass der Mann richtiggehend wütend wurde. ‘Ein Fuchs rettest Du, aber dieses Mädchen lässt Du verhungern und verfrieren!’ schimpfte er und er klagte Gott an: ‘Warum tust Du nichts dagegen?’
Der Mann kriegte keine Antwort. Doch in der Nacht, im Traum hörte er eine Stimme sagen:’Ich habe etwas dagegen gemacht. Ich habe Dich erschaffen!’

Der Tiger in DIR

Jede und jeder hat Phasen – kürzere oder auch längere – in denen wir wie der beinlose Fuchs sind, in denen es uns nicht gut geht, in denen wir Tiger brauchen, die uns unterstützen. Und das ist auch ok so. Aber wir sollten uns nicht suhlen in unserem Elend. Unser Ziel sollte es sein, selbst zum Tiger zu werden, zum Menschen, der anderen hilft. 
Um zum Tiger zu werden, müssen wir uns selbst lernen Sorge zu tragen. Wir müssen lernen, dass wir auch essen müssen , bevor wir dann das Beutetier weiterreichen. Nur wenn wir stark sind, uns selbst gut schauen, sind wir fähig anderen zu helfen. Und dass es allen gut geht wiederum ist eine Grundvoraussetzung, damit es uns wirklich gut gehen kann. Denn wie kann man zufrieden und glücklich sein, wenn man von Leid, Hass und Elend umgeben ist? Selbstliebe wird von Nächstenliebe genährt. Nächstenliebe wiederum von Selbstliebe. Und die Symbiose von Selbst- und Nächstenliebe ist, was Tiger zum Leben erweckt.

Ein Beitrag von:

Iris Stadelmann

Iris Stadelmann

Gründerin Yogart, Teacher, Bloggerin

Mein Weg zum Yoga hat schon in der Schulzeit begonnen. Doch bis ich regelmässig Yoga übte, dauerte es noch etwas. Via Asanas (körperlichen Übungen) fand ich dann mit der Zeit auch den Zugang zu den anderen Aspekten des Yogas, wie Atemtechniken, Meditation, Mantras. Vor ein paar Jahren habe ich dann meine erste Yogalehrerausbildung gemacht. Diese brachte einen regelrechten Stein ins Rollen.

Während mehreren Jahren habe ich verschiedenste Ausbildungen bei diversen internationalen Lehrern und Lehrerinnen absolviert, wie z.B. Baron Baptist (Power Vinyasa), Chris Chavez (Anusara), Julie Rose Smerdon (Anusara), John Oglivie (Purna Yoga & Yoga Therapeutics), Ana Davis (Pre- and Postnatal), Sean Corn (Vinyasa Flow), Maya Fiennes (Kundalini), Brie Mc Alpine (Kundalini), Duncan Peak (Power Vinyasa) und Susan Tomasko (Power Yoga). Zudem habe ich zahlreiche Workshops im In- und Ausland besucht, zum Beispiel bei Lucia Nirmala Schmidt (Faszien), Benita Wolfe Galvan (Anusara), Satyaa (Kundalini), Ross Rayburn (Anusara), Katchie Ananda (Anusara/Dharma), Richard Freeman (Ashtanga) oder Julie Martin (Vinyasa Flow). Ich bin auch Pilatesinstruktorin und Rücken- und Beckenbodentrainerin. Stetige Weiterbildung ist für mich essentiell.

Am Yoga fasziniert mich die Vielfältigkeit. Ich unterrichte ein Yoga, das auf die Körperausrichtung fokussiert, ohne dass es an Dynamik mangelt. Meine ruhige Art zu unterrichten steht dabei nicht im Wege, im Gegenteil.

Ich habe einen Master of Art in Kunstgeschichte und Anglistik sowie das höhere Lehramt für Mittelschulen abgeschlossen und bin Mutter von Joel und Maurice. Für einige Zeit habe ich in den USA und in Australien gewohnt.

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