Allergie – und nun?

Den Moment, als mir zum ersten Mal der Hals angeschwollen ist, den werde ich nie mehr vergessen. Ich wusste nicht, wie mir geschah und hatte keine Ahnung, was zu tun. In Panik rief ich meine Eltern an – wie ein kleines Kind. Meine Intuition war zwar nicht so schlecht, denn mein Vater war grad in der Nähe und meine Mutter riet mir, sofort zur Arztpraxis um die Ecke zu gehen. So kam alles gut – offensichtlich, denn sonst würde ich ja jetzt nicht bloggen können. Dieser ersten allergischen Schockreaktion folgten noch ein paar weitere und auch einige Untersuchungen, ratlose Ärzte und irgendwann der Befund: Ich bin auf Casein allergisch und Weizen. Irgendwie war ich erleichtert, dass ich es nun wusste, irgendwie aber auch ziemlich niedergeschmettert, denn ich hatte das Gefühl, nichts mehr essen zu können. Pizza, Pasta, Fondue, Sandwich, Kuchen..irgendwie durfte ich nichts mehr essen, das ich mir gewohnt war. Ich finde es heute einfach nur skandalös, wie man mir diesen Befund gegeben hat, ohne mich weiter zu beraten, wie, was ich denn nun essen könne. Ich war damals knapp über zwanzig, hatte wenig Ahnung vom Kochen und noch weniger Ahnung von Nahrungszusammensetzung, Nährstoffen etc. Ich tat, was wohl jede leicht unbeholfene Person, die sich bis dahin wenig mit Essen auseinandergesetzt hat: Ich verzichtete auf Milcheiweiss (Casein) und Weizen. Zum Glück kam damals Thai Essen und Sushi auf – meine bevorzugte Wahl, wenn ich auswärts essen ging. Und meinen heissgeliebten Tee trank ich fortan mit Sojamilch, statt Kuhmilch. Ich wurde satt und es gab viele Dinge, die ich richtig geniessen konnte, aber meine Ernährung war dennoch nicht ausgewogen, denn ich liess einen Teil meiner gewohnten Nahrung einfach weg, ohne wirklich Ersatz dafür zu finden, ohne die fehlenden Nährstoffe gezielt zu kompensieren.

Weglassen statt ersetzen – keine nachhaltige Lösung

Es erstaunt wohl wenige, wenn ich sage, dass ich bald darauf öfters krank wurde, insbesondere auf Blasenentzündungen war ich extrem empfindlich – etwas, das ich bis dahin noch nie hatte. Mein Eisenspiegel sank regelmässig nach spätestens sechs Monaten wieder in den Keller runter. Ich, die nie krank war, die kaum je einen Arzt brauchte, war plötzlich ständig wegen irgendeinem Wehehchen in Behandlung. Ein Arbeitskollege erzählte mir von seiner Tochter, die dank einer Ernährungsberaterin trotz Allergien auf fast nichts verzichten muss. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, zu einer Ernährungsberaterin zu gehen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, da geht man nur hin, wenn man Übergewicht hat. Aber klar, es machte Sinn. Also machte ich auch einen Termin. Es war wahnsinnig hilfreich. Ich lernte, dass ich zum Beispiel Schafmilch essen kann, dass es Teigwaren aus Dinkel oder anderem Getreide gibt etc. Eine ganz neue Welt tat sich mir auf. Es war so spannend, alle diese Produkte auszuprobieren und ich bekam richtig Freude am kochen und backen. Es wurde auch immer einfacher, weil die grossen Supermärkte immer mehr aufrüsteten in alternativen Produkten. Heute kriege ich sogar Schaf-Raclettekäse im Coop um die Ecke. Noch vor wenigen Jahre musste ich dafür in ein spezielles Käsegeschäft circa 30 Minuten von meinem Wohnort entfernt. Aus der Not eine Tugend gemacht Wie auch immer, heute geniesse ich diese unglaubliche Vielfalt, die mir die moderne Ernährung bietet. Ich experimentiere extrem gerne mit Rezepten und eher ungewöhnlichen Zutaten herum. Bei uns gibt es keine Mailänderli als Weihnachtskekse, sondern Amaranth-Kakao-Riegel. Hirsotto steht mindestens so oft auf dem Menuplan wie Spaghetti (aus Urdinkel natürlich).

 

Inspiration im Kochkurs

Meine Vorliebe fürs ‘etwas andere Kochen’ teile ich nun immer öfters mit Freundinnen und mit meinen Yogartinis. Deshalb habe ich nun zum zweiten Mal einen ayurvedischen Kochkurs mit Stephanie Albert von Parvatasana ( http://parvatasana.ch/) organisiert. Stephi kocht nihct nur einfach mit uns, sondern sie passt sich der Gruppe extrem an und lädt ein, anderes Mehl, Alternativen zu Rahm oder Butter oder auch zu Zucker auszuprobieren. Bei der Vorbereitung des zweiten Kochkurses wurde mir bewusst, dass ganz viele der Teilnehmerinnen genau wie ich, auf gewisse Nahrungsmittel verzichten sollten – aus diversen Gründen. Und sie alle sind am rudern, sind verunsichert. Was kann ich denn noch essen? Es ist augenscheinlich, dass Ernährung ein immer grösseres Thema wird in unserer Gesellschaft. Ob es nun die Natur ist, die zurückschlägt, oder ob wir es einfach übertrieben haben mit der Manipulation unserer Nahrungsmittel – es ist egal. Tatsache ist, dass viele Leute in einer Zeit, in der man Essen im Überfluss kriegt, recht verloren sind, weil ihnen das heute gängige, hoch verarbeitete Essen auf die eine oder andere Weise nicht gut tut. Gerade wenn man Yoga macht, nimmt man seinen Körper immer besser wahr, und merkt vielleicht auch, dass unser Essen nicht nur schmecken soll, sondern uns auch allen anderen Ebenen gut tun soll. Nach meiner Erfahrung ist das Wichtigste bei unserer Ernährung – selbst wenn wir Allergien haben – dass wir uns nicht zu sehr einschränken. Alles, was zu übertrieben und einseitig ist, tut uns längerfristig schlicht nicht gut. Und auch wenn in Afrika Baobab als Superfrucht gilt und in den Amden Quinoa ein Superkorn – es ist nachhaltig und auch sinnvoll, möglich viele regionale und saisonale Produkte zu verwenden. Was nicht heissen soll, dass Baobab und Quinoa nicht ab und an auf dem Speiseplan stehen können. Aber oft ist es einfach so, dass die regionalen und saisonalen Produkte kaum zu übertreffen sind, was ihr Geschmack und auch ihre positive Wirkung auf unsere Gesundheit betrifft.

 

Ein tolles Rezept vom letzten Kochkurs mit Stephanie Albert  teile ich hier gerne mit Euch:

(Vegane) Dattelcreme

0.5 l Reismilch

400g Datteln

5dl (Soja)Schlagsahne

200g gemahlene Mandeln

je 1 TL Zimt, Kardamom und Vanille

1 Prise Salz

1 Spritzer Rosenwasser

 

  1. Die Datteln in der Reismilch aufweichen und kurz aufkochen. Ausküheln lassen.
  2. In der Zwischenzeit Sahne steif schlagen und kalt stellen
  3. Dann die Datteln mit der Einweichflüssigkeit pürieren
  4. 2/3 der Schlagsahne und Mandeln darunterziehen
  5. Mit Gewürzen, Salz und Rosenwasser abschmecken
  6. Die Creme in Gläser füllen und mit Dattelstreifen und etwas Sahne dekorieren.

Schmeckt noch besser, als es klingt!!! En Guete!

Mehr über Stephanie findest Du hier: http://parvatasana.ch/

 

Ein Beitrag von:

Iris Stadelmann

Iris Stadelmann

Gründerin Yogart, Teacher, Bloggerin

Mein Weg zum Yoga hat schon in der Schulzeit begonnen. Doch bis ich regelmässig Yoga übte, dauerte es noch etwas. Via Asanas (körperlichen Übungen) fand ich dann mit der Zeit auch den Zugang zu den anderen Aspekten des Yogas, wie Atemtechniken, Meditation, Mantras. Vor ein paar Jahren habe ich dann meine erste Yogalehrerausbildung gemacht. Diese brachte einen regelrechten Stein ins Rollen.

Während mehreren Jahren habe ich verschiedenste Ausbildungen bei diversen internationalen Lehrern und Lehrerinnen absolviert, wie z.B. Baron Baptist (Power Vinyasa), Chris Chavez (Anusara), Julie Rose Smerdon (Anusara), John Oglivie (Purna Yoga & Yoga Therapeutics), Ana Davis (Pre- and Postnatal), Sean Corn (Vinyasa Flow), Maya Fiennes (Kundalini), Brie Mc Alpine (Kundalini), Duncan Peak (Power Vinyasa) und Susan Tomasko (Power Yoga). Zudem habe ich zahlreiche Workshops im In- und Ausland besucht, zum Beispiel bei Lucia Nirmala Schmidt (Faszien), Benita Wolfe Galvan (Anusara), Satyaa (Kundalini), Ross Rayburn (Anusara), Katchie Ananda (Anusara/Dharma), Richard Freeman (Ashtanga) oder Julie Martin (Vinyasa Flow). Ich bin auch Pilatesinstruktorin und Rücken- und Beckenbodentrainerin. Stetige Weiterbildung ist für mich essentiell.

Am Yoga fasziniert mich die Vielfältigkeit. Ich unterrichte ein Yoga, das auf die Körperausrichtung fokussiert, ohne dass es an Dynamik mangelt. Meine ruhige Art zu unterrichten steht dabei nicht im Wege, im Gegenteil.

Ich habe einen Master of Art in Kunstgeschichte und Anglistik sowie das höhere Lehramt für Mittelschulen abgeschlossen und bin Mutter von Joel und Maurice. Für einige Zeit habe ich in den USA und in Australien gewohnt.

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